NERVENSCHMERZ
Rund 260.000 Menschen sind allein in Österreich von einem Nervenschmerz betroffen, die ersten Symptome werden dennoch oft ignoriert und bis zum Arztbesuch vergehen im Durchschnitt 8,5 Monate: Die Rede ist von Nervenschmerz. Viele vom neuropath ischen Schmerz Betroffene haben aber auch beim Gang zum Arzt wenig Glück: "Durchschnittlich wurden fünf Ärzte aufgesucht, bis eine richtige Diagnose erstellt wurde, jeder zehnte Betroffene kontaktierte sogar zehn oder mehr Ärzte", berichtet Astrid Hackl vom Markt-Forschungsinstitut Fessel-GfK. Das Institut hatte zuletzt aktuelle Daten zu Verbreitung und Behandlung des Nervenschmerzes in Österreich erhoben (Quelle: www.netdoktor.at/nachrichten/?id=117507&date=2006-11-29) .
Ein Nervenschmerz wird auch als neu ropathischer Sch merz bezeichnet.
Das ungewöhnliche an dieser Schmerzform ist, daß die Schmerzen nicht da entstehen wo sie auch empfunden werden, da das schmerzleitende System selbst gestört oder geschädigt ist, es liegt sozusagen ein „Ner veneigenschmerz“ vor. Die Affektion (= Störung, Erkrankung) liegt dabei zentralwärts (in Richtung Rückenmark, Gehirn), die Schmerzen treten aber in dem Körperbereich auf, der von den gestörten Nervenstrukturen sensibel (= die Empfindung, auch Schmerzempfindung betreffend) versorgt wird.
Der Entstehungsmechanismus dieser Ner venschmerz en ist bis heute noch nicht definitiv geklärt. Es gibt aber deutliche Hinweise darauf, daß das sog. sympathische Nervensystem (= Teil des unwillkürlichen Nervensystems) wesentlich an der Entstehung und Aufrechterhaltung neuropa thischer Schmerzsynd rome beteiligt ist.
Dem Nervenschmerz gegenüber steht der sog. Noz izeptorsch merz. Darunter versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder Schädigung mit Hilfe eines Rezeptors und Weiterleitung als Schmerzreiz über das Nervensystem zum Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“ einer Zelle oder eines Organs bzw. Systems. Sie wird je nach der Art des zu registrierenden Reizes als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (= den Blutdruck betreffender), akustischer oder taktiler (= den Tastsinn betreffender) Schmerzrezeptor bezeichnet.
Ein Nervenschmerz tritt bei verschiedenen Erkrankungen mit unterschiedlicher Ursache auf:
ad1:
Mechanische Schädigung:
Nach einer Nach einer
Nervenverletzung
kann es zu einer
Kausalgie,
neuerdings auch als
CRPS Typ II
(komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ II) bezeichnet, kommen.
Dieser Nervenschmerz (chronischer) ist charakterisiert durch qualvolle, glühend-
brennende Schmerzen
der betroffenen
Gliedmaße,
auslösbar oder verstärkt schon durch leiseste
Berührung ((evtl.
auch entfernter Körperstellen (Synästhesalgie)), durch optische oder
akustische Reize, Trockenheit (Xerosalgie), Wärme, Affekte oder bloße
Schmerzvorstellung (Sympsychalgie).
Meist bestehen ferner
Störungen der Durchblutung
und der Hauttrophik
(= Ernährungs-/Wachstumszustand der Haut).
Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet
(= Versorgungsgebiet eines Ner
ven),
erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige Gliedmaßen
(Alloparalgie). Im chronifizierten Stadium sind wiederholte Blockaden
(= Betäubungen)
des betroffenen Nervs mit einem lang wirkenden Betäubungsmittel hilfreich,
optimal sind kontinuierliche Blockaden mit Katheter
(= eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch).
Letztgenannte Maßnahme sollte aber nur stationär (Schmerzkliniken)
durchgeführt werden.
ad2: Metabolische
(= stoffwechselbedingte) Störungen
oder Schädigungen verursachen den Nervenschmerz bei der
Polyneuropathie. In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der Fälle
die alkohol
ische und die diabet
ische
Genese
(= Entstehung) (Neundörfer
1988). In unklaren Fällen ist vor allem an exotoxische
(= von außen zugeführte Gifte betreffend)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie
Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endotoxische
(= Gifte die im Körper
selbst entstehen) (Porphyrie, Urämie)
und evtl. infekt
iöse Ursachen
(Borreliose,
Ehrlichiose nach
Zeckenbiß
bzw.
Zeckenstich) in
Frage.
Die Patienten klagen über einen brennenden
Dauerschmerz im
Versorgungsgebiet peripherer
(= mehr oberflächlicher) Ner
ven,
Parästhesien
(= Fehlempfindungen),
Hyperästhesien
(= gesteigerte
Empfindlichkeiten für Berührungsreize)
und
Hyperpathien
(= Überempfindlichkeiten gegenüber allen örtlichen Reizen mit erhöhter
Reizschwelle), Druckschmerzhaftigkeit
von Ner
ven
und
Muskeln sowie evtl.
über motorische (= die Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram
pi) (Gerstenbrand et Rumpl
1988). Charakteristisch sind socken- bzw.
hand
schuhförmige Sensibil itätsstörungen
(= Störungen der
Empfindlichkeit).
Die Behandlung bei diesem Nervenschmerz erfolgt in erster Linie kausal, also der Ursache entsprechend: bei Diabetes mellitus Optimierung der Zuckereinstellung, bei toxischer (= durch Gifte entstandene) Polyneuropa thie Verzicht auf „Nervengifte“ wie z.B. Alkohol.
Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete)
Therapie bei Nervenschmerz (chronischer):
Thioctsäure (alpha-Liponsäure) führt zu einer Reaktivierung des
Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung diabetischer Ketone.Das
Antidepressivum Duloxetin
reduziert signifikant die Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie.
(http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/03/24/055a1302.asp?cat=/medizin)
Neurotrope Vitamine
(= „Nervenvitamine“): Die mehr
oder weniger hochdosierte Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Polyneuropathien
allgemein üblich. Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten Fällen zu
einer Verbesserung.
Gegen diesen Nervenschmerz wirken am besten sog.
Antiepileptika,
auch als
Antikonvulsiva bezeichnet
(= eigentlich Mittel gegen
die Fallsucht, aber auch bei einem Nervenschmerz hilfreich).
Als erste Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin.
Analgetika
(=
Schmerzmittel): Ein polyneuropathisch bedingter Nervenschmerz ist in der Regel durch
Schmerzmittel nur schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist noch ein
Effekt von zentral wirksamen Analgetika
(= Schmerzmittel die im Rückenmark / Gehirn wirken)
zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, ein sicher wirksames
Medikament zu empfehlen.
Eine Kombination aus Metamizol und Chinin soll relativ
zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein Gemisch aus Uridin- und Dinatriumsalze (Keltican®)
kann versucht werden.
Wiederholte Nervenblockaden: Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich beim Nervenschmerz sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der Schmerzreizleitung gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympat hischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung z.B. bei Polyneuropathie nicht nur symptomatisch, sondern fast schon kurativ (= auf die Ursache ausgerichtet).
ad3: Eine Ner
venschädigung oder -störung infolge einer
Virusinfektion liegt bei der sog.
Postzosterneuralgie (postzosterische
Neuralgie,
postherpetische Neuralgie)
vor. Vorausgegangen ist die
Herpes zoster
-Erkrankung, eine neurodermale
(= Ner
ven und Haut betreffende) Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her
pes-Varizellen-Virus.
Der Name Zost
e
r kommt aus dem Griechischen und bedeutet
„Gürtel“ entsprechend der gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus
diesem Grund wird die Krankheit auch als
Gürtelrose
bezeichnet.
Der
Herpes zoster
befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren
Brustwirbelsäule,
seltener den
Gesicht
s- bzw.
Kopf
bereich (Herpes
zoster ophthalmicus,
Herpes zoster oticus).
Die
Herpes zoster-Erkrankung
beginnt mit einem brennenden, juckenden Nervenschmerz im Bereich der befallenen
Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen einher. Schon die
Berührung der Haut
im befallenen Bereich verursacht einen starken Nervenschmerz (eine sog.
Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote
Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel
nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwindet dann auch der Nervenschmerz
wieder.
Wenn der Nervenschmerz die Hauterscheinungen der
Gürtelrose
überdauert, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
Zoster-Neuralgie (PZN)
übergegangen. Der Schmerzcharakter bei der postzosterischen
Neuralgie
wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder
brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Teilweise liegt auch
eine Al
lodynie
(= Schmerzauslösung durch an sich nicht schmerzhafte Reize,
z.B. Kleidung) vor.
Die Behandlung ist schwierig und sollte deshalb dem erfahrenen Schmerztherapeuten überlassen werden. Ein Dauerschmerz, auch in Form von einem Nervenschmerz, erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren:
ad4:
Eine Ner
vendurchtrennung z.B. im Rahmen einer
Amputat
ion
(durch Operation oder Unfall) kann zu
Phantomschmerzen
(= Schmerzempfindungen in einem Körperteil, der gar nicht mehr vorhanden ist))
führen. Ein
Phantomschmerz
tritt meist unmittelbar nach der Amputat
ion auf. Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei denen sich
Phantomschmerzen
erst nach Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach Jahrzehnten, einstellten.
Die Angaben zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität lassen kein einheitliches
Muster erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität dominieren Begriffe wie
"brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt". Überwiegend wird ein
attackenförmiger Schmerzverlauf angegeben, wobei die Attacken minuten- bis
tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit
Phantomschmerz
en liegt eine klimatische Schmerzmodulation
(= Änderung des
Schmerzzustandes) vor.
Bei Amputat
ionen im Bereich unteren
Extremitäten
(=
Beine)
stellen sich in der Regel später auch behandlungsbedürftige Beschwerden an
kontralateralen (=
gegenüberliegenden)
Gelenk
en und an der
Wirbelsäule ein,
bedingt durch unphysiologische (= unnatürliche) Dauerbelastungen.
Gegen
Phantomschmerz
en wirken am ehesten die sog. Antiepileptika
(= eigentlich Mittel gegen die
Fallsucht, aber auch gegen diese
Schmerzen
hilfreich). Als erste Wahl gelten
heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl Carbamazepin.
Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen
(= Mittel zur
Muskel
entspannung)
erfolgreich.
Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich
schmerzdistanzierende
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen,
aber auch bei neuropa thischen Sch
merzen hilfreich)
sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin und Doxepin.
Oftmals ist die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel) in Form von häufig
wiederholten
Ne
rven
- und Leitungsbetäubungen sehr hilfreich.
Daß
Phantomschmerzen
tatsächlich im betroffenen Nerv entstehen und nicht im zentralen Nervensystem,
ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen
(Quelle siehe weiter unten).
ad5:
Zen
trale (= das Rückenmark / Gehirn betreffende)
Störungen oder Schädigungen sind Ursache für einen Nervenschmerz
(chronischer) nach einer
Querschnittslähmung
und für den sog.
Thalamusschmerz:
Über den Mechanismus der Schmerzentstehung nach einer
Querschnittlähmung
ist wenig bekannt. Nach Thoden (1987) klagen 50% aller Patienten mit
verletzungsbedingten
Querschnittsläsion
en über störende Mißempfindungen unterhalb der Verletzungsstelle.
Immerhin 27% leiden unter einem Nervenschmerz, vorwiegend im Bereich der Bei
ne. Teilweise treten auch krampfartige,
viszerale Schmerzen
(=
Eingeweideschmerzen)
im
Bauchraum
auf. Auch vom Verletzungssegment selbst kann ein Nervenschmerz ausgehen, der oft
auf eine Instabilität zurückzuführen ist. Diese Instabilität kann chirurgisch
behoben werden.
Der Schmerzzustand nach einem kompletten
Querschnitt wird
auch als
Deafferenzierungsschmerz
bezeichnet.
Zur Behandlung eines
Nervenschmerzes bei einer
Paraplegie
(= Lähmung der Be
ine) kann die kontinuierliche peridurale
(= rückenmarknahe)
Blockade mit Katheter
(= dünner Kunststoffschlauch)
hilfreich sein. Die Einpflanzung des Katheters muß jedoch oberhalb des
geschädigten Segments erfolgen.
Bei Tetrapleg
ie
(= Lähmung der Be
ine und
Arme)
bedarf die kontinuierliche Periduralblockade oberhalb des geschädigten Segments
wegen des erhöhten Risikos einer strengen Indikationsstellung
(= Abwägung von Nutzen und
Risiko).
Medikamentös können Carbamazepin oder Gabapentin bzw. Pregabalin (=
eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, aber auch gegen diese Schm erzen wirksam), Baclofen und
schmerzdistanzierende
Antidepressiva sowie
Neuroleptika (=
Mittel das auf die Psyche wirkt)
versucht werden. Gegen die unangenehme Spastik wirkt am besten Baclofen. Falls bei oraler
(= Tabletten-)
Gabe die Nebenwirkungen zu stark werden, kann die rückenmarknahe Verabreichung
mittels eingepflanzter Pumpe (oder Port) in Erwägung gezogen werden. Mittel der
2. Wahl ist Sirdalud.
Bei
Thalamusschmerzen
handelt es sich um ein sog. zen
trales
(= das Gehirn betreffendes)
Schmerzsyndrom,
ausgelöst durch Störungen oder Schädigungen in schmerzkontrollierenden Arealen
des zentralen Nervensystems (Thalamus).
Hauptursache ist ein
Schlaganfall (Gehirnschlag,
apoplektischer Insult).
Die betroffenen Patienten klagen in der Regel über einen heftigen Nervenschmerz
in der herdgekreuzten Körperhälfte (Hemialgesie).
Der vorzugsweise brennende
Dauerschmerz kann
sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine
Allodynie (= Schmerzauslösung durch an sich nicht schmerzhafte
Reize) vor. Fast regelmäßig besteht
eine
Hyperpathie (=
verzögerte Reizantwort, die Schmerzen halten über Reizzeit hinaus an bei,
insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Bei der neurologischen Untersuchung findet sich eine
Hemiparese
(=
Halbseitenlähmung)
mit meist guter Rückbildungstendenz.
Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Störungen
(Chorea (= sog. Veitstanz), Athetose (=
Haltungs-, Tonus- u. Bewegungsstörung))
kommen vor, ebenso die sogenannte Tha
lamushand nach Pöck (die Finger sind im Grundgelenk gebeugt und in
den Interphalangealgelenken
(= Mittelgelenken)
überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die Fehlstellung gleicht sich beim
Auflegen der
Hand auf
eine feste Unterlage aus) und eine meist gering ausgeprägte Ataxie
(= funktionelle Störung der Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der zugrunde liegenden
Störung oder Schädigung ist durch Computertomographie, Angiographie
(= Gefäßdarstellung mit
Röntgenstrahlen) und
Kernspintomographie möglich.
Die Behandlung ist
selbst für den erfahrenen Schmerztherapeuten eine große Herausforderung.
Medikamentös kann wie bei anderen neu ropathische
n Schmerzen Carbamazepin
(= ein Mittel gegen
die Fallsucht, aber auch gegen diese Sch merzen wirksam) in aufsteigender Dosierung bis zu 1500mg /Tag versucht werden (Swerdlow
1984). Gabapentin oder Pregabalin wirken oft besser. Phenytoin soll ebenfalls
schmerzlindernd sein (Cantor 1972). Teilweise sahen wir auch mit Baclofen (= ein im
Rücken
mark / Gehirn wirkendes
Mittel zur Muskelentspannung) eine
günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von
Opiaten.
Teilweise können aber mit
der therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei diesem Nervenschmerz beachtliche Erfolge
erzielt werden. Nach Austestung mittels einer diagnostischen
Nervenblockade (Betäubung) werden im
Extremitäten bereich
(=
Arme,
Beine) wiederholte
Plex
us brach
ialis-, N. femoral
is- und/oder
Ischias
blockaden durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der
kontinuierlichen Form mit Katheter
(= eingepflanztem dünnem
Kunststoffschlauch) erfolgreich.
Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der betroffenen
Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen
Schmerz
es" (=
Schmerzen, die im Rückenmark / Gehirn entstehen)
erscheint die Durchführung von
Nervenblockaden
zugegebenermaßen paradox. Wir haben jedoch festgestellt, daß bei ca. 40-50% der
betroffenen Patienten diese Therapie tatsächlich anspricht und zu einer
Schmerzlinderung führt. Möglicherweise wird durch die zen
trale
Läsion (= Störung/Schädigung) teilweise ein per
ipheres
(= mehr oberflächliches)
Schmerzsyndrom
herbeigeführt, vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption
(= Empfindung, Wahrnehmung) durch das
efferente sympat
hische System
(= weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem)
mehr oder weniger ausgeprägt aktiviert werden. Für eine Beteiligung des
sympathischen Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980)
und Nathan (1980), wonach Schmerzen in Ar
me und Bei
ne nach einer Störung/Schädigung des Zentralnervensystems
(= Rückenmark und Gehirn)
durch
Sympathikusblockaden
(= Betäubungen des
unwillkürlichen Nervensystems)
beseitigt oder gelindert werden können. Da die Nervenstämme ((besonders Plex
us brach
ialis (=
Nervengeflecht des Armes)) auch
vegetative, sympat
hische Fasern mit sich führen, kann eine
solche Wirkung postuliert werden.
In diesem Zusammenhang ist folgende Nachricht interessant, denn bisher ging man
auch bei diesem
Schmerz von
einer zentralen (= im
Gehirn oder Rückenmark) Schmerzentstehung aus:
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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Aktualisiert: >06.04.2008</> kusb&
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